TraumaNetzwerk

Das Netzwerk für Flüchtlinge, Therapeuten und Dolmetscher

Malteser in Deutschland | Malteserorden
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Über dieses Projekt

Hintergrund

Seit 1989 betreuen die Malteser Aussiedler, Flüchtlinge und Asylbewerber im Auftrag von Bund, Ländern und Kommunen in öffentlichen Einrichtungen. In den stationären Einrichtungen bieten die Malteser Unterkunft, Versorgung, Verpflegung, Hilfe zur Alltagsstrukturierung sowie eine an der Zielgruppe orientierte Betreuung. Durch die langjährige Arbeit mit Flüchtligen haben die Malteser erkannt, dass eine Verbesserung der Psychosozialen Betreuung und Behandlung traumatisierter Flüchtlinge dringend notwendig ist.

Um die Situation der betroffenen Flüchtlinge zu verbessern, haben die Malteser verschiedene Projekte entwickelt:

  • Traumanetzwerk
  • ein Screeninginstrument für traumatisierte Flüchtlinge
  • eine Schulung zum Einsatz des Instruments und zum Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen

Traumanetzwerk

Etwa 20 - 30 % aller in Europa Schutz suchenden Flüchtlinge sind nach internationalen Statistiken Überlebende von schweren traumatisierenden Erlebnissen und Folter. Nach den Zahlen des Bundesamtes für Flüchtlinge stellten 2003 ca. 67.848 Flüchtlinge einen Antrag auf Asyl. Dieser großen Anzahl an Flüchtlingen, von denen sehr viele durch ihre Traumatisierung behandlungsbedürftig sind, steht jedoch nur ein geringes therapeutisches Angebot gegenüber. Das Angebot an qualifizierten Institutionen, die Erfahrungen in der Traumabehandlung haben und gewohnt sind, mit fremdländischen Kulturen zu arbeiten und Therapien mit Hilfe von Sprachmittlern durchzuführen, reicht nicht aus, um den großen Bedarf zu decken. Neben diesen Institutionen, die sich vorwiegend in den Städten befinden, besteht die Möglichkeit, niedergelassene Psychologen oder Psychiater aufzusuchen. Bei der Suche nach einem passenden Therapeuten stoßen Flüchtlinge bzw. die Menschen, die sich um sie kümmern, oft auf vielfältige Hindernisse.

Mit TraumaNetzwerk wächst eine Internetdatenbank, die den Mitarbeitern der Flüchtlingsarbeit eine rasche und effektive Suche nach Therapeuten ermöglicht, die mit traumatisierten Flüchtlingen arbeiten. Die Nutzer der Seite erfahren, wo in ihrer Nähe ein entsprechender Therapeut zu finden ist. So entsteht eine flächendeckende Struktur, die darauf abzielt, betroffenen Flüchtlingen eine zeitnahe therapeutische Behandlung zu ermöglichen. Netzwerkmitglieder erhalten regelmäßig aktuelle Informationen zum Thema Asyl und Trauma und haben im geschützten Mitgliederbereich der Homepage Zugriff auf eine Dolmetscherdatenbank und praxisrelevante Informationen zur Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen. Die Homepage bietet den Therapeuten auch die Möglichkeit, sich in einem Forum über aktuelle Fragestellungen auszutauschen. Das TraumaNetzwerk sieht sich als eine Art Plattform, die vorhandene Informationen und Ressourcen bündelt und sie den Nutzern zur optimalen Anwendung zur Verfügung stellt. Daher haben alle Interessenten die Möglichkeit, Informationen, Termine, Veröffentlichungen und Links an uns weiter zu leiten, so dass wir diese auf der Homepage veröffentlichen können.

Screeninginstrument für traumatisierte Flüchtlinge und Schulung

In der Flüchtlingsarbeit haben die Mitarbeiter immer wieder mit Menschen zu tun, die an Beschwerden leiden, die auf traumatische Erlebnisse in ihren Heimatländern oder während der Flucht zurück zu führen sind. Die Symptome sind vielfältig und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit schwer einzuordnen. Werden sie nicht rechtzeitig erkannt, werden Betroffene über Monate und Jahre hinweg nicht oder nicht richtig behandelt. Erhebliche physische und psychische Erkrankungen können die Folgen sein. Um die Situation traumatisierter Flüchtlinge zu verbessern und den Mitarbeitern mehr Sicherheit zu geben, wurde in einem ersten Schritt ein Screeninginstrument (die Kölner Risikoindex (KRI) - Asyl - Checkliste) entwickelt und darauf aufbauend eine Schulung konzipiert.

Screeninginstrument

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Psychotraumatologie (DIPT) wurde ein vorhandenes Screeninginstrument für die Anwendung bei traumatisierten Flüchtlingen modifiziert und erprobt. Mit Hilfe eines Fragebogens, der so genannten Kölner Risikoindex Asyl-Checkliste, ist es auch psychologischen Laien möglich, zu ermitteln, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ausbilden wird. Für die Praxis der Flüchtlingsarbeit erlaubt der Index eine ortsnahe und rasche Anwendung. Falls notwendig, kann die psychotherapeutische Behandlung bei Fachleuten früh beginnen; Folge- und Langzeitschäden werden vermieden oder vermindert. Die Kölner Risikoindex Asyl-Checkliste kann ausschließlich dazu genutzt werden, festzustellen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Mensch an einer PTBS erkrankt. Sie ist nicht geeignet, eine Traumatisierung auszuschließen. Die Erprobungsphase des Indexes lief vom 01. August 2001 bis zum 30. Juli 2002 und wurde von der Katholischen Arbeitsgemeinschaft Migration (KAM) und dem Europäischen Flüchtlingsfonds finanziell unterstützt.

Schulung

Um die Kölner Risikoindex Asyl-Checkliste in der Praxis effektiv einsetzen zu können, wurde in einem zweiten Schritt eine Schulung entwickelt. Sie dauert einen Tag und hilft Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Flüchtlingsbetreuung, ihre Unsicherheit im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen zu reduzieren und die Zusammenarbeit mit den psychotherapeutischen Fachleuten zu verbessern. Bei der Schulung erhalten die Teilnehmer Unterstützung, um

  • auffällige Verhaltensweisen besser einzuschätzen
  • Krisensituationen vorzubeugen
  • in Krisen angemessen zu reagieren
  • die Kölner Risikoindex Asyl-Checkliste als Screeninginstrument einzusetzen und so den Betroffenen frühzeitig zu helfen.

Interesse an einer Schulung?

Weitere Informationen finden Sie hier.

Samstag, 04.September.2010 - Sie sind hier: Projektinformationen